|
Zum Zeitpunkt seines Todes im Jahr 1991 wurde eine Zeitungsbericht vermutlich in der Werntal-Zeitung veröffentlich, den ihr im Folgenden lesen könnte. Die genau Quelle ist leider nicht mehr ausfindig zu machen.
Das erste Bild zeigt Wilhelm Kress zusammen mit seiner Frau Katharina, die im Dorf nur "Käther" genannt wurde. Weiterhin ist noch einer weiter Bewohner seines Hauses mit auf dem Bild. Eine seiner Ziegen. Er bewohnt das Anwesen in der Brunnbergstraße zusammen mit seiner Frau und den Ziegen. Nicht zuletzt waren sie es auch, die den unverwechselbaren Geruch ausmachten. Auch der Zustand des Anwesens und des Hauses glich eher eines Misthaufens und einer Müllhalde. Diejenigen, die das Anwesen nach seinem Tod gekauft und neu bebaut haben, können heute noch ein Lied davon singen. Auf den damals gemachten Bildern war zu erkennen, dass der Mist hüfthoch im ganzen Haus war.
Hier der Zeitungsbericht:
Im Alter von fast 81 jahren ist am vergangenen Sonntag Wilhelm Kress aus Schwebenried verstorben. Unter seinem richtigen Namen ist der den wenigsten Bürgern des Werntals bekannt, als "Mandoch" hingegen kannte man ihn von Karlstadt bis Schweinfurt, von Bad Kissingen bis Bad Brückenau. Geborren wurde Wilhelm Kress in Frankfurt. Es machte ihm stets Freude, zu berichten, dass er einem Zigeunerwagen geboren wurde, und dass er auch schon Millionär sein könnte, wenn seine Mutter nicht so "stur" gewesen wäre. Eines tages sei er als 2jähriger mit seiner Mutter am Frankfurter Bahnhof gewesen und hätte jämmerlich geschrien. Ein Amerikaner hatte den kreischenden Jungen beobachtet und war begeistert von seinem lautstraken Temperament. Er wollte ihn seiner Mutter abkaufen, um ihn nach Amerika mitzunehmen, seine Mutter wollte jedoch nicht auf ihn verzichten. So sei er heute zwar auch wohlhabend, aber er musste sich alles mühevoll erwirtschaften. Geschichten dieser Art erzählte Wilhelm Kress mit Vorliebe und es machte ihm auch immer wieder einmal Freude, die Menschen in seiner Umgebung mit spitzfindigen Anspielungen auf ihre Eigenheiten zu provozieren. 1910 ist das Geburtsjahr von Wilhelm Kress. Als er eines Tages mit seinen Eltern nach Schwebenried kam, wunderten sich die Menschen über den unbekannten Dialekt seines Vaters. So kam auch sein landläufig bekannter Spitzname "Mandoch" zustande. Sein Vater bezeichnete den Wochentag in seinem Dialekt als "Mandoch", und so hat sich der Spitzname des Vaters auf den Sohn übertragen. Ob Wilhelm Kress ein Sonderling war? Tatsache ist, dass bürgerliche Konventionen und Eigenheiten für ihn unerträglich waren. Er liebte es frei zu sein, zu plaudern, wann und mit wem er wollte, und zu arbeiten, wann er den richtigen Zeitpunkt dafür gefunden hatte. Dabei war er gelernter Schuhmachermeister und hat sein Handwerk über viele Jahre hinweg voller Sorgfalt und Genauigkeit ausgeübt. Wollte man seine Schuhe sofort wieder repariert haben, so musste man bei ihm bleiben, Platz nehmen, im zuhören oder selbst erzählen. Dann war er gerne bereit sich ans Werk zu machen. Wilhelm Kress hat stets den Kontakt zu den Menschen gesucht. In späteren Jahren schockierte er jedoch, da er eine Phobie gegen Wasser hatte. Voller Stolz erzählte er, dass an seinen Körper kein Wasser herankomme. Und so war der "Flair", der ihn umgab, nicht selten für die Umwelt zur Zumutung geworden. "Er war der Gescheiteste in seiner Klasse!", diese Aussage wird von Gleichaltrigen in Schwebenried immer wieder gemacht. Man kann das nachvollziehen, wenn man seine Gedichte liest, die er verfasste un mit denen er in die Städte und Dörfer zog, um sie den Menschen nahezubringen. Kein Markt in Arnstein verging, ohne dass "der Mandoch" dabei war uns seine auf Pappkarton geschriebenen Verse auslegte. Sprach ihn jemand auf sei Geschriebenes an, so konnte man in ein langanhaltendes Gespräch verwickelt werden. Ab und zu erhob er auch lautstark sein Stimme und versuchte so, Zuhörer zu gewinnen. In seinen "Gedichten" berichtete er über Vorkommnisse der Weltgeschichte. Er schrieb über Menschen, die ihm angenehm waren und er machte auch keinen Hehl daraus, wenn ihm jemand nicht so am Herzen lag. Er beschrieb Zwistigkeiten und Rivalitäten zwischen den Dörfern des Werntals und sprach vor allem junge Frauen immer wieder darauf an, weshalb sie nicht bereit wären, mehr Kinder zu bekommen. In den frühen Morgen- und Abendstunden war Wilhelm Kress tagtäglich unterwegs. Mit Fahrrädern, die er immer wieder erneuerte, geschenkten, abgetragenen Schuhen, einer Strickmütze, die er Sommer und Winter trug (im Winter nähte er stets ein wärmendes Inlett-Futter hinein), einer verschlissenen Jacke und einer mit Pressbendel zusammengehaltenen Hose, machte er sich auf, um für seine Ziegen Futter zu beschaffen. |